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Warten auf die Impfung

Uwe Brömmer, Leiter des Altenzentrum Heilsberg, hat sieben Ordner voller Formulare und Einverständniserklärungen, die er teils nochmals ausfüllen muss, weil Formulare abgeändert wurden. Foto: Fauerbach
Uwe Brömmer, Leiter des Altenzentrum Heilsberg, hat sieben Ordner voller Formulare und Einverständniserklärungen, die er teils nochmals ausfüllen muss, weil Formulare abgeändert wurden. Foto: Fauerbach

Altenheime erbringen Hochleistungen im Dauerbetrieb

Bad Vilbel/Karben. Besuchsverbot, strenge Hygienevorschriften, Schnelltests und Impfungen – Pflegeeinrichtungen wie zum Beispiel das Altenzentrum Heilsberg und das »ASB Wohnen und Pflege« in Karben kämpfen gegen die Pandemie, deren Ausbreitung und Folgen bis zur Erschöpfung an.

Pflegedienstleiterin und Krankenschwester Manuela Lachnit führt bei Bereichsassistentin Nicole Otto den wöchentlichen Point-of-care (PoC) -Antigen-Test auf SARS-CoV-2 durch. Foto: Fauerbach

Infiziertes oder in Quarantäne befindliches Personal, Schnelltests, mehr Papierkram wegen den Auflagen für Besucher und die Vorbereitung, Durchführung und Nachbetreuung der Impfungen. In Alten- und Pflegeeinrichtungen herrscht sowieso schon Personalknappheit – die Corona-Pandemie verschärft diesen Notstand aber noch einmal.

Fachkräftemangel
»Personal- und Fachkräftemangel sind seit Jahren ein großes Problem, das sich durch die Pandemie weiter zuspitzt und den Frust der ständig überlasteten Mitarbeiter erhöht«, betonen Uwe Brömmer und Gernot Ruffing. Die beiden Einrichtungsleiter des Altenzentrum Heilsberg und ASB Wohnen und Pflege Karben und ihre Mitarbeiter erbringen Hochleistungen im Dauerbetrieb, stehen ständig unter Strom. »Wir können seit Jahren unsere freien Stellen nicht mehr mit adäquat ausgebildeten Kräften nachbesetzen. Der Markt ist leer gefegt.«

Der Austausch mit Besuchern findet im ASB-Pflegeheim am geöffneten, mit einer Plexiglasscheibe abgetrennten Fenster statt, wie hier Betreuungskraft Ute Mader (links), Bewohnerin Ernestine Löhr und Einrichtungsleiter Gernot Ruffing zeigen.

Seelischer Zuspruch
Kurz vor Weihnachten hat der Vorstand der Diakonie Hessen nochmals Staatsminister Kai Klose in einem Schreiben über den Pflegenotstand in Hessen informiert und gebeten Kräfte aus Hilfsorganisationen, die sonst im Katastrophenschutz eingesetzt sind, zu mobilisieren, um das Personal in den Pflegeorganisationen zu unterstützen. In Zeiten der Pandemie übernehmen die Mitarbeiter nämlich auch zusätzliche Aufgaben, wie etwa das Frisieren der Bewohner. Auch seelischer Zuspruch, das Zeitnehmen für die Senioren und ihre Sorgen, sei wichtiger denn je und braucht Zeit.

Am 3. Januar wurden Mitarbeiter und Bewohner – vorausgesetzt sie waren einverstanden – gegen das Coronavirus von einem mobilen Impfteam geimpft. Der Termin für die zweite Impfung innerhalb von drei bis vier Wochen steht im ASB-Heim noch nicht fest, sagt Gernot Ruffing.

Noch kein Impftermin
Auf dem Heilsberg sieht das anders aus: »Wir haben noch keinen Impftermin für unsere 140 Bewohner und unsere 120 Mitarbeiter genannt bekommen«, bedauert Brömmer. Die Formulare zur Vorbereitungen für die Impfung füllen bereits sieben Ordner. »Teils müssen die Formulare wie Einverständniserklärungen noch einmal ausgefüllt werden, da sie geändert wurden.«

Im Altenzentrum Heilsberg haben sich im Laufe des vergangenen Jahres 2020 sieben Bewohner und eine Mitarbeiterin mit dem Coronavirus infiziert. »Alle zeigten keine Symptome. Wir sind froh, dass es bisher keine neuen Fälle gab«, sagt Brömmer. Im ASB-Heim Karben habe es bisher keine Covid-19-Erkrankungen gegeben.

In den Einrichtungen werden alle Mitarbeiter und Physiotherapeuten einmal pro Woche getestet, Bewohner bei Verdacht. Zusätzlich nimmt das Karbener Personal seit April an wöchentlichen Hygieneschulungen teil. Pflegedienstleiterin und Krankenschwester Manuela Lachnit führt in Karben die Tests seit Anfang Dezember durch. Auf dem Heilsberg macht das die Qualitätsbeauftragte und stellvertretende Pflegedienstleiterin Dominika Glender.

In beiden Einrichtungen gilt weiterhin das Besuchsverbot bis auf Ausnahmefälle, die dann ebenfalls getestet werden. Nach 20 Minuten liegt das Testergebnis vor. Doch den zeitlichen Aufwand für die Point-of-care (PoC)-Antigen-Tests beziffern die beiden Einrichtungsleiter gleichermaßen mit bis zu sieben Wochenstunden plus weiterer Stunden, um alles anschließend zu desinfizieren.

Das Altenzentrum Heilsberg arbeitet mit Leiharbeitern zusammen, die die 60 Pflegekräfte unterstützen. »Für Schnelltests haben wir keine externen Kräfte, die über eine Arzt-Delegation verfügen, gefunden«, sagt Uwe Brömmer. Gerade so komme man »unter schwierigsten Bedingungen« mit dem Personal aus. Das macht Brömmer auch stolz auf seine Mitarbeiter. »Sie packen über einen langen Zeitraum mit an und stellen sich immer wieder kurzfristig auf neue Verordnungen ein«, lobt er.

Ständiger Austausch
Die beiden Träger, ASB und Diakonie, hätten die Einrichtungen gut mit Material wie Einmalhandschuhen, Schutzkittel- und -schilden, FFP2-Atemschutzmasken und Schnelltests für jeweils einen Monat ausgestattet. Zudem finden in den ASB-Einrichtungen seit März des vorigen Jahres Online-Konferenzen mit Teilnehmern aus Geschäfts-, Einrichtungs- und Pflegedienstleitungen statt. »Dadurch stehen wir im ständigen Austausch und sind auf dem aktuellsten Stand«, informiert Ruffing.