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Kontinuität und Wandel – Wilhelm Trabandt, Chef des Traditionshauses, lässt 1969 lebendig werden

Liebes Team von der Karbener Zeitung! Am 3. Oktober feierte die Karbener Zeitung ihr 40-jähriges Jubiläum. Hierzu zuallererst meinen herzlichen Glückwunsch!

Vierzig Jahre sind eine lange Zeit, und es ist eine große Leistung im Wettbewerb der Medien zu bestehen. Die Karbener Zeitung hat durchgehalten und wird von ihrer Leserschaft geschätzt. Möge der Erfolg sie weiter begleiten.

Ich kann mich an die Anfänge erinnern und versuche Ihnen ein wenig aus dieser Zeit zu erzählen. Wir, das heißt die Firma Trabandt, war Kunde von Anfang an. Es hat sich ja so viel gewandelt, aber einiges ist auch konstant geblieben. Zum Beispiel, dass man weiß, dass die Zeitung gedruckt werden soll, aber die Anzeige ist nicht fertig. Auch damals musste der Anzeigenvertreter schon die Sohlen ablaufen, denn so ein Kaufmann macht alles andere lieber, als die versprochene Anzeige zu gestalten.

Es gab keinen Vierfarbdruck, es gab keine Scanner, gute Bilder zu erhalten war schwierig, sie mussten richtig gerastert sein. Also besorgte sich mein Vater, Walter Trabandt, von seinen Lieferanten schwarz-weiß Reprovorlagen oder er schnitt Bildchen aus Prospekten aus. Die klebte er sich in seinen Rahmen, über dem in fetten Lettern stand:

W. TRABANDT. KLEIN-KARBEN. EISENHANDLUNG.

Dann klebte er die Bildchen kunstvoll in die Seite, falls er einen Text hatte, klebte er auch diesen hinzu, wenn er keinen hatte, schrieb er ihn in sauberer Schrift mit seinem Tuschestift handschriftlich dazu und gab die Anzeige ab. Fotokopien, Fax, E-Mail, daran war noch nicht zu denken. Die Anzeige wurde dann abgeholt.

Telefon gab es schon und auch das stand in der Anzeige. Nummer 521. Wir waren da fortschrittlich und hatten im Dorf den ersten Telefonanschluss. Daher die Nummer 1 ganz hinten. Später mussten die Nummern erweitert werden und dann hatten wir 21, heute haben wir immer noch die 3521. 40 Jahre Kontinuität heißt gleichzeitig 40 Jahre Wandel. Und dieser Wandel, der sich täglich, wöchentlich, monatlich so unmerklich vollzieht, zeigt sich mit voller Wucht, wenn man einmal die Anzeigen der Zeitungsausgaben des Jahres 1996 betrachtet.

Im Januar ’69 warben wir für Schlittschuhe und Rodelschlitten „Hudora“. Es folgte Werbung für gebrauchte Elektroherde, dann wurde eine Haushaltsseite zusammengestellt: Stehleiter, Wäschekorb und Wäschetrockner, Kochgeschirr. Unser Sortiment war unschlagbar, wir waren weit über die Grenzen Karbens hinaus bekannt und es hieß: „Du musst zum Trabandt geh’n, da kriegst Du alles“!

Und das spiegelte sich natürlich auch in unserer Werbung wider. Sie wandte sich an Heimwerker und Landwirte, an Haufrauen und empfahl Miele-Hausgeräte aller Art. Nicht zu vergessen: Propangas! Das können Sie heute noch bei uns kaufen.

In diesen Zeiten waren Waren nicht mit derselben Selbstverständlichkeit verfügbar wie heute. Ein Fachgeschäft hatte eine wichtige Versorgungsfunktion. Baumärkte gab es noch nicht, sie entstanden erst in dieser Periode. Es war die Wirtschaftswunderzeit, und jeder packte an, baute auf. Bei uns gab es Betonmischmaschinen und Schiebkarren, Rasenmäher, Gartenpumpen und -geräte, Grassamen, Regalsysteme. Wir warben für Ölradiatoren, Garagentore, Kellerfenster und Dachrinnen, Baustahl, Schrauben, Draht …

Öfen und Herde waren ein ganz wichtiges Thema. Ja und in dieser Zeit hatten wir natürlich auch schon Gartenmöbel. So welche, die mit Wäscheleine umwickelt waren, Sie erinnern sich sicher. Irgendwo stehen davon garantiert heute noch welche rum.

Wer es erlebt hat, erinnert sich auch an die Menschen, die all diese Waren dann an den Mann brachten. Man lebte auf dem Dorf, man kannte sich. Jeder kannte das Team Wilhelm Reichard und Ramon Rosich, die als patente Techniker verkauften, anschlossen und reparierten, jeder kannte Kurt Fink, der mit seinem Mercedes 710er Stumpfschnauzer vom Kesselgestell bis zur Baustahlmatte alles auslieferte. Jeder kannte unsere Verkäufer, Gerhard Rozek, Herbert Rozek, Ewald Fischer, Wilfried Jökel. Um den Verkauf von Hausrat und Porzellan sorgten sich Gisela Ochsenhirt und Elfriede Wilhelmi und meine Mutter, Erika Trabandt. Ich will auch erwähnen, dass Rechnungen zum Teil noch mit der Hand geschrieben wurden. Im Büro saßen Damen, die jeden Kunden persönlich kannten, Margot Giesel und Elli Dehler, Doris Gröne, waren eine eingespielte Mannschaft.

Manche Kollegen im Einzelhandel von damals existieren noch, manche sind verschwunden. Vieles hat sich geändert, manches geht leichter, schneller, manches ist gewonnen, manches ist verloren gegangen.

Wir müssen uns immer wieder an die aktuellen Erfordernisse der Zeit anpassen und das hat auch die Karbener Zeitung in geschickter Weise verstanden.

Wir wünschen Ihrem Unternehmen auch für die Zukunft die Ideen, sich dem Wettbewerb zu stellen und erfolgreich zu arbeiten.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr Wilhelm Trabandt