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Radler kritisieren Radweg

Die Frankfurter Straße ist breit genug, so dass Radfahrer auch entgegen der Einbahnstraße fahren könnten. Zu diesem Ergebnis sind Christian Euler und Ute Gräber-Seißinger gekommen. Sie halten den Ausbau des Nidda-Uferweges auf der Stadtseite für Radler nicht für notwendig. Foto: Privat
Die Frankfurter Straße ist breit genug, so dass Radfahrer auch entgegen der Einbahnstraße fahren könnten. Zu diesem Ergebnis sind Christian Euler und Ute Gräber-Seißinger gekommen. Sie halten den Ausbau des Nidda-Uferweges auf der Stadtseite für Radler nicht für notwendig. Foto: Privat

ADFC: »Bäume an der Nidda hätten nicht gefällt werden müssen.«

Bad Vilbel. Der Aufschrei war enorm als jüngst die Bäume am Tabernaemontanusweg in der Bad Vilbeler  Innenstadt gefällt wurden. Es gibt wahrlich schlimmere Gründe, um Bäume zu fällen, als einen schönen Radweg dafür entstehen zu lassen, könnte man meinen. Nun kritisieren allerdings auch jene die Radwegpläne, die sich auf den ersten Blick eigentlich freuen müssten: Die Radfahrer vom ADFC.
Es war der Funken, der eine riesige Debatte entfachte: Als im Februar einige Bäume am Niddaufer nahe der Bibliothek gefällt wurden, war das Entsetzen  groß, eine Bürgerinitiative gründete sich, und der Umweltausschuss diskutierte wild das Thema Bäume (wir berichteten). Die Bäume am Tabernaemontanusweg sollten weichen, um dort einen Radweg entstehen zu lassen, der viele Vilbeler motivieren sollte, das Auto stehen zu lassen.

Nun ist es allerdings der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) in Bad Vilbel, der den Radwegausbau ebenfalls kritisiert. Denn der ADFC sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert: »Die Radfahrer sind Schuld daran, dass die Bäume gefällt wurden«, fasst Christian Euler, verkehrspolitischer Sprecher des ADFC den Vorwurf zusammen.
Doch davon könne nicht die Rede sein, denn auch aus Sicht des ADFC war es das nicht wert, die Bäume zu fällen: »Wir betrachten den Ausbau nicht als Maßnahme, die zur Förderung des Radverkehrs in Bad Vilbel sonderlich gut geeignet wäre«, erklärt die Vorsitzende des ADFC, Ute Gräber-Seißinger.

KONFLIKTE BEFÜRCHTET
Eher könnte das Gegenteil der Fall sein. Wird der Weg als gemeinsamer Fuß- und Radweg ausgewiesen, so sei zu befürchten, dass sich Konflikte zwischen Fußgängern und Radlern häufen. Auch glaubt Gräber-Seißinger, dass sich schnell Ernüchterung breitmachen könnte, da für zügiges Radeln in beide Richtungen die geplanten drei Meter zu schmal seien.
Wenngleich der ADFC dem Radwegekonzept der Stadt Bad Vilbel positiv gegenüberstehe, sei der Ausbauplan auf diesem Teilstück wenig sinnvoll und rechtfertige die Baumfällungen nicht: »Wir würden es begrüßen, wenn Baumnachpflanzungen in einem Umfang erfolgen, der zumindest an den vorherigen Bestand anknüpft«, ist Gräber-Seißingers Meinung.

Über diese Kritik kann sich Stadtsprecher Yannick Schwander nur wundern. »Der Radwegausbau wurde vor Jahren in der Verkehrskommission einstimmig beschlossen und der ADFC ist dort Mitglied«, erklärt er.
Dass der ADFC je an einer Abstimmung zu diesen Plänen beteiligt gewesen sein soll, überrascht wiederum Euler: »Die Pläne wurden in der Verkehrskommission nur vorgestellt, es gab dort keine Abstimmung dazu«, macht er deutlich. Zudem seien die Pläne auch noch nicht so detailliert gewesen, dass mit so vielen Baumfällungen hätte gerechnet werden müssen.
Es sei auch nicht zu erwarten, dass der ausgebaute Radweg rege genutzt werden würde, da er zu vielen Zielen auf der Frankfurter Straße einen Umweg darstelle. Viel eher sei anzunehmen, dass weiterhin viele Radfahrer die Frankfurter Straße unerlaubter Weise entgegen der Einbahnstraße befahren. Der ADFC bekräftigt daher noch mal die schon viel diskutierte Forderung, die Frankfurter Straße im Altstadtbereich für Radfahrer auch entgegen der Einbahnstraße freizugeben.

DEBATTE BEENDEN
So sieht der ADFC im Ausbau des Niddaradwegs einen Versuch der Stadt, die Debatte um eine Freigabe der unteren Frankfurter Straße zu beenden. Doch andersrum werde laut Euler ein Schuh daraus: »Würde man die Frankfurter Straße endlich freigeben, bräuchte es den Ausbau und die Baumfällungen dort gar nicht.«
Den Radwegausbau kann der Fahrrad-Club somit nicht gutheißen. »Geld für eine zukunftsweisende Radverkehrsförderung wäre an vielen anderen Stellen besser angelegt«, betont der ADFC und konkretisiert: »Wie wäre es zum Beispiel mit einer Expertise zu der Frage, welche der rund 40 in Bad Vilbel bestehenden Einbahnstraßen sich für Radfahrende in Gegenrichtung freigeben ließen?«

So seien bisher nur acht Einbahnstraßen ganz oder in Abschnitten für Radler freigegeben. »Eine solche Expertise könnte neue Perspektiven eröffnen«, erhofft sich Gräber-Seißinger. Schwander: »Da ist die Stadt längst dran.« Seit 2018 werde geprüft, welche Einbahnstraßen in Bad Vilbel  für Radler freigegeben oder in eine Fahrradstraße umgewandelt werden könnten.