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Eine spielende Selbsthilfegruppe

Bad Vilbel. Weil sein Sohn im Autismus-Spektrum diagnostiziert wurde, will ein Bad Vilbeler Vater eine Selbsthilfegruppe für Kinder mit einer ähnlichen Diagnose gründen. Ziel ist es, dass die Kinder gemeinsam Sport treiben und spielen. Unterstützung bekommt er von der Selbsthilfekontaktstelle Bürgeraktive Bad Vilbel.
Die Diagnose einer Entwicklungsstörung bei einem Kind kann das Leben einer Familie auf den Kopf stellen. Georg F. (Name der Redaktion geändert) weiß das. Der Vilbeler hat zwei Söhne im Grundschulalter. Nach einigen Jahren mit »herausforderndem Verhalten« zu Hause und in der Schule erhält einer davon vor etwa zwei Jahren die Diagnose Autismus. »Natürlich erklärt das erst mal vieles«, sagt er. Typisch für das diagnostizierte Asperger-Syndrom sind Einschränkungen in der sozialen Interaktion, das Fokussieren auf ganz besondere Interessen, das Festhalten an Gewohnheiten und Ritualen.
Dann folgt der Behördendschungel. Denn: Wenn die Diagnose steht, gehen viele Türen auf, um Unterstützungen unter anderem vom Jugendamt zu erhalten. »Aber es nimmt dich niemand an die Hand und sagt dir, welchen Schritt man jetzt gehen muss.« Die Familie macht sich auf die Suche, recherchiert und liest viel, findet eine Selbsthilfegruppe für Eltern in Main-Kinzig-Kreis. »Autismus ist nicht heilbar, es gibt aber therapeutische Ansätze, die die Integration von autistischen Personen vereinfachen.« Das Problem: »Es ist sehr schwierig, an Therapieplätze zu kommen. Viele Einrichtungen sind voll. Gerade seit der Pandemie.« Sein Sohn besuche eine gewöhnliche Grundschule. »Das ist ein schöner Vorteil der Inklusion. Er fühlt sich sehr wohl in seiner Klasse und hat dort auch ein paar Freunde.«
Dennoch dürfe man die Besonderheiten eben nicht unterschätzen. »Kinder im Autismus-Spektrum können durchaus Strategien entwickeln, um in der Schule zu funktionieren. Das kostet aber im Allgemeinen sehr viel Anspannung und Kraft. Wenn es zu viel wird, kann dies zu einem Zusammenbruch, einem sogenannten Meltdown führen«, sagt er. Nicht umsonst hätten autistische Schüler deshalb auch einen Anspruch auf einen Assistenten in der Schule.
Raumanfragen
laufen

Georg F. hat sich deshalb etwas einfallen lassen: eine spielende Selbsthilfegruppe. Ziel ist es, Familien mit Kindern mit der Diagnose Autismus zusammenzubekommen. »Der Fokus soll dabei ganz klar auf den Kindern liegen. Sie sollen Zeit bekommen, um ganz sie selbst zu sein«, sagt der Vater. Die Gruppe, die über die Selbsthilfekontaktstelle Bad Vilbel läuft, soll sich im Optimalfall einmal im Monat samstags treffen.
Raumanfragen laufen. »Ziel ist, gemeinsam Sport zu machen und natürlich eine Sportart zu finden, die allen gefällt.« Die Kinder sollten dafür zwischen acht und zwölf Jahren alt sein. »Es wäre schön, wenn wir einige Kinder zusammenbekommen.« Alle würden die Chancen bekommen, zu spielen, aber auch über ihre Interessen zu sprechen. »Bei meinem Sohn sind es Weltall, Natur und Römer.«
Der Vater ergänzt: »Natürlich sind die Eltern die ganze Zeit dabei.« Wichtig sei, dass der Blick weniger auf den Eltern liege und mehr auf den Interessen der Kinder. »Sie sollen einfach mal frei sei und gemeinsam Spaß haben. Denn im Endeffekt sind es immer noch Kinder.«
Kontaktdaten
Wer Interesse an der Selbsthilfegruppe hat, meldet sich per E-Mail an info@buergeraktive-bad-vilbel.de. Informationen zu den anderen Gruppen gibt es auf der Homepage der Bürgeraktive unter www.buergerak tive-bad-vilbel.de/.
Von Patrick Eickhoff