Veröffentlicht am

Wunsch-Großeltern gesucht

Die »Wunsch-Omas« Christa Uebe-Emden (Mitte) und Anja Mehmel (links) werben mit Familienzentrumsleiterin Eva Raboldt für das Projekt. Foto: Eickhoff
Die »Wunsch-Omas« Christa Uebe-Emden (Mitte) und Anja Mehmel (links) werben mit Familienzentrumsleiterin Eva Raboldt für das Projekt. Foto: Eickhoff

Bad Vilbel. Man muss nicht immer an der eigenen Belastungsgrenze sein, um sich Unterstützung zu wünschen. Nicht jede junge Familie hat das Glück, dass die Großeltern im Haus oder der Nachbarschaft wohnen und Aufgaben übernehmen. Um Familien und »Junggebliebene« zusammenzubringen, hat Eva Raboldt das Projekt »Wunsch-Großeltern« ins Leben gerufen.
Christa Uebe-Emden und Anja Mehmel haben auf den ersten Blick nicht viele Gemeinsamkeiten. Uebe-Emden ist 78 Jahre alt, ehemalige Lehrerin und im Ruhestand. Enkel und Kinder hat die Vilbelerin nicht. Mehmel hingegen ist 60 Jahre alt, hat zwei Enkel im Alter von zwölf und 16 Jahren. »Aber irgendwann ist die Oma halt nicht mehr so interessant«, sagt sie und lacht. Vorwurfsvoll meint sie diesen Satz mit Sicherheit nicht. »Es ist einfach der Lauf der Zeit. Natürlich lieben wir uns und freuen uns, wenn wir uns sehen. Aber Jugendliche haben eben auch andere Interessen.«
Ein Projekt, im B3-Familienzentrum der evangelischen Christuskirchengemeinde bringt die beiden zusammen. Denn: Christa Uebe-Emden und Anja Mehmel sind »Wunsch-Omas«.
Das Projekt der Wunsch-Großeltern hat die Leiterin des Familienzentrums, Eva Raboldt, ins Leben gerufen. Gesucht werden Omas und Opas – oder, wie Raboldt sie liebevoll nennt, »aktive Junggebliebene ab 55« – die junge Familien oder auch Alleinerziehende unterstützen wollen. Ob Geschichten vorlesen, spazieren gehen, Ausflüge unternehmen. »Das ist dann ganz den Familien überlassen«, sagt Raboldt. Die Leiterin weiß: »Opa und Oma sind nicht einfach nur Babysitter. Sie bringen Lebenserfahrung mit, haben oft viel Geduld und immer einen guten Ratschlag.«
Das Projekt Wunsch-Großeltern bringe deshalb Opas und Omas und Familien zusammen. Die Resonanz auf die erste Werbung fällt »mehr als gut aus«, wie Raboldt berichtet. »Es gibt nur ein Problem. Wir haben zu viele Familien und zu wenig Jungebliebene.«
Kennenlernen
im Familienzentrum

Von Anfang an dabei sind Christa Uebe-Emden und Anja Mehmel. »Ich habe mich sofort gemeldet, als ich davon gehört habe«, berichtet Uebe-Emden. Jetzt ist die 78-Jährige seit einiger Zeit ein Teil einer vierköpfigen Familie. »Wir sind noch am Anfang des Kennenlernens«, berichtet sie. Das ist aber milde ausgedrückt. Christa Uebe-Emden hat die Kinder bereits von der Kita abgeholt – natürlich in Begleitung der Familie, war mit auf dem Spielplatz oder auch auf einem Kindergeburtstag eingeladen. Neulich habe eines der Kinder zum ersten Mal »Oma« gesagt. »Ich habe natürlich gleich gesagt, dass die Kinder mich ruhig Christa nennen sollen«, sagt sie verlegen. »Aber klar ist es ein schönes Gefühl.« Sie habe auch schon ein selbst gebasteltes Geschenk erhalten. »Das war zuckersüß.« Wichtig sei aber auch, dass sie nicht nur für die Kleinen da sei. »Wir haben eine ganz andere Lebenserfahrung und sind natürlich auch Gesprächspartner für die Eltern.« Christa Uebe-Emden ist überzeugt. »Der Schritt war der absolut richtige. Ich freue mich, dass ich so eine schöne Aufgabe übernommen habe.«
Das bestätigt auch Anja Mehmel, die »Oma« einer Familie mit einer zweijährigen Tochter ist. Es hat bereits einige Treffen gegeben. »Ich bin noch fit und aktiv. Wir waren auf dem Spielplatz und toben uns gerne mal aus«, berichtet sie. Mehmel habe einfach eine Aufgabe gesucht, die sie erfülle. »Die Mutter ist gerade wieder schwanger. Ich versuche ihr zu helfen und Aufgaben abzunehmen.«
Aber natürlich dauere das Kennenlernen seine Zeit. »Man holt sich schließlich eine fremde Person ins Haus.« Doch dank der Unterstützung im Familienzentrum sei auch das Kennenlernen einfach gewesen. Denn: Die Auswahl trifft Familienzentrumsleiterin Eva Raboldt. Wer also gerne aktiv am Leben einer jungen Familie teilhaben möchte und gerne Zeit mit Kindern verbringe, der müsse sich einfach bei ihr melden. »Ich koordiniere den ganzen Prozess und wäge in Gesprächen ab, wer zusammenpasst.« Von Patrick Eickhoff

Weitere Infos zum Projekt und weiteren Kursen des B3-Familienzentrums gibt es auf der Homepage www.b3familien zentrum.de/index.php. Wer »Wunsch-Oma« oder »Wunsch Opa« werden möchte, meldet sich per Mail an familienzentrum@ckbv.de